Reisebericht Filmproduktion Dokumentarfilm Atombombenversuche Mururoa-Atoll 1995

Mururoa-Atoll, Widerstand gegen die Atombombenversuche der französischen Regierung in Französisch Polynesien

Mururoa Gedenkstein mit Kreuz
Mururoa 1995 Papeete Französisch-Polynesien

1995 bekamen wir den Auftrag nach Papeete zu fliegen und dort auf Tahiti einen Dokumentarfilm über die Atombombenversuche auf dem Mururoa-Atoll der französischen Regierung zu erstellen.

 

Wir hatten keine Ahnung auf was wir uns da eingelassen hatten. 

Mururoa Katamaren
Mururoa 1995 Papeete Tahiti

Nach dem wir in Papeete angekommen waren hatten wir einige Formalitäten zu erledigen und nahmen unser Schiff welches im Vorfeld noch in Deutschland gebucht worden ist unter Augenschein. Im Nachhinein stellte sich heraus dass wir sehr großes Glück hatten, mit dem Skipper, seiner Frau und dem Schiff. Eine bessere Mannschaft hätten wir uns nicht wünschen können. Die immense Erfahrung von diesem Skipper und seiner Frau waren uns später noch sehr hilfreich. Auch dass dieses Schiff (ein Katamaran) unser Skipper alleine von Hand gebaut hatte, erfuhr ich erst sehr viel später.

Mururoa 1995 Papeete Tahiti
Mururoa 1995 Papeete Tahiti

Wir konnten von unserem Schiff aus beobachten wie Greenpeace in den Hafen von Papeete einlief. Später wurden wir über Funk zu einer Pressekonferenz eingeladen die auf dem Schiff von Greenpeace stattfand und erstaunlicherweise viel Presse anwesend war.

Mururoa Brennende Gebäude
Mururoa 1995 Papeete Tahiti

Ein paar Tage bevor wir ausliefern bekamen wir es mit den Unruhen in Papeete zu tun. Diese waren so schlimm dass wir aus Sicherheitsgründen abends um 11:00 Uhr mit unserem Schiff abgelegten um uns in der Mitte des Hafenbeckens aufzuhalten, um die Geschehnisse aus sicherem Abstand zu beobachten. Dieses hatte für uns den Eindruck dass halb Papeete zu brennen schien. Wir konnten erkennen das Häuser mit 4-5 Stockwerken in Flammen aufgingen. Diese beeindruckenden Bilder werde ich mein Leben nicht vergessen. Später gingen wir dann an Land um von Papeete aus zu berichten. Die Bilder und Impressionen die sich uns offenbarten waren einzigartig und alles andere als sehenswert. Aber wir machen unseren Job und am nächsten Tag gingen die Bilder per Satellit nach Deutschland.

Mururoa Brennendes Auto
Mururoa 1995 Papeete Tahiti

Um einen Eindruck zu vermitteln, oben der brennende Flughafen von Papeete und hier links  eine Straße in der Innenstadt von Papeete.

 

Tahiti Sonnenuntergang auf dem Meer
Mururoa 1995 Tahiti

Nachdem wir abgelegt hatten und Papeete weit hinter uns gelassen haben wurde mir zum erstmal klar was der Pazifik eigentlich ist, seine Größe ist wirklich beeindruckend. Wir hatten ca. vier Wochen reine Segelzeit vor uns, d.h. ca. 10-15 Tage zum Mururoa-Atoll und etwa genauso viel wieder zurück. Wir segelten an traumhaften Inseln vorbei und ernährten uns teilweise von den Fischen die wir unterwegs fingen. Die Frau vom Skipper breitet sie uns unglaublich schmackhaft (meist roh) zu. Ich hatte, Gott sei Dank schon einige Segelerfahrung was mir bei dieser Reise sehr von Nutzen war. Aus diesem Grund schlief ich ausschließlich auf dem Deck wo ich mich nachts an meinem Schlafplatz sicherheitshalber festgebunden habe, um nicht überraschenderweise über Bord zu gehen. Uns offenbarten sich unglaublich schöne Sonnenuntergänge und ein sehr beeindruckender Sternenhimmel der mich jede Nacht wieder faszinierte. Aber man hat natürlich nicht nur schöne Erlebnisse. Nach etwa 3-4 Tagen bekamen wir per Funk eine Sturmwarnung die uns alle sehr überraschte. Man stelle sich vor, man sitzt Nachts in eine Nussschale und plötzlich beginnt unser Schiff mehr als zu schaukeln. Die Wellenberge die auf unserem Schiff zurollten waren alles andere als beruhigend. Wir reden hier von ca. 5-8 m hohen Wellen. Und wir hatten keine Chance irgendwo an Land zu gehen. Jetzt musste jeder von uns im zweistündigen Wechsel alleine oder zu zweit, Nachtwache schieben. Da wir immer näher an das Mururoa-Atoll herankam und hier jede Menge Kriegsschiffe kreuzten bekamen wir also immer weniger Schlaf. Auch hatte die französischen Marine uns mehrfach versucht Angst einzujagen indem sie sehr dicht an unserem Schiff vorbei fuhren. Aber Gott sei Dank ist letztendlich nichts passiert.

Kriegsschiff vor Mururoa
Mururoa 1995 Tahiti

Ab jetzt wurden wir mit der Wirklichkeit konfrontiert und sahen immer mehr Kriegsschiffe die uns zum Ausweichen zwangen.

Mururoa Mann an Funkgerät
Mururoa 1995 Papeete Tahiti

Es war logischerweise nur eine Frage der Zeit bis wir von der französischen Marine zum ersten Mal kontrolliert wurden. Sie meldeten sich bei uns über Funk und gaben die Anweisung dass wir auf Position bleiben sollten da wir uns ihrem Hoheitsgebiet näher würden und sie uns kontrollieren müssen. Dieses geschah dann auch. Sie ließen ein Boot zu Wasser und kamen mit Maschinenpistolen zu uns an Bord, sie kontrollierten unsere Pässe und die Schiffspapiere. Alles war in Ordnung und sie verließen uns wieder. Aber wir hatten damit einen immensen Zeitverlust und kamen zu spät zu unserem Treffen mit Greenpeace.

Hubschrauber auf Schiffsplattform
Mururoa 1995 Tahiti

Wir wurden eindringlich gewarnt nicht in die Zwölfmeilenzone vom Mururoa-Atoll einzufahren. An dieser Anweisung hielten wir uns auch. Selbst Greenpeace hielt sich an diese Anweisung. Jedoch provozierten sie mit ihrem Hubschrauber, den Sie an Bord hatten jede Menge Anspannung indem sie immer wieder starten und vor der Zwölfmeilenzone kreuzten. Was wiederum zu einem sehr hohen Aufgebot von Kriegsschiffen der französischen Marine führte.

Mururoa Kriegsschiff auf dem Meer
Mururoa 1995 Tahiti

Die Präsenz der französischen Marine war wirklich einzigartig und in meinen Augen völlig übertrieben. Was hätten Greenpeace wir oder andere Schiffe auch gegen nur ein Kriegsschiff ausrichten können.

Mururoa Sonnenuntergang
Mururoa 1995 Papeete Tahiti
Ich konnten hier in dieser Darstellung nur Fragmente beschreiben. Die gesamte Reise war natürlich wesentlich aufwändiger und viel interessanter als ich sie hier in dieser Kurzdarstellung schildern konnte. Dennoch hoffe ich das ich einen Eindruck vermitteln konnte. Es gibt noch viel zu schreiben über dieses Projekt Mururoa-Atoll, aber das ist eine andere Story! Klaus Friedmann
 
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